Clicky

Abstecher ins Tessin

Nach seiner Vorttragsreise durch die deutschsprachige Schweiz machte Fidus einen Abstecher ins Tessin. Möglicherweise besuchte er dort das Ferienheim Neugeboren in Locarno-Monti und hielt dort einen oder sogar mehrere Vorträge.

Nöthiger hatte Fidus in einem Brief Mitte Februar mitgeteilt: "Nach diesen vorträgen ist noch die fahrt zu frau neugeborn in locarno monti vorgesehen, wo du weitere vorträge mehr in kleinerem rahmen zum grossen teil in künstler- und reformkreisen halten könntest. getrud prellwitz war ebenfalls dort und es hat ihr sehr gut gefallen." Gleichzeitig hatte ihm Karl Buess Fidus mitgeteilt: "Nach diesem Tournèe wirst Du in Locarno ebenfalls zu einem Vortrag erwartet und bist - mit Fam. - von Frau Neugeborn aufs herzlichste zu Gast geladen. Wie sie schreibt würde sie sich freuen Euch 8-10 Tage bei ihr beherbergen zu dürfen. Doch da bist Du ganz frei dies anzunehmen oder nicht, wenns Dich wirklich so rasch nach Hause drängt."

Auf einem Blatt betitelt mit "Schweizer Vorträge" notierte sich Fidus denn auch: "Locarno: Fr. A. Neugeboren, L.-Monti" und "Ascona: Familie Stelter".

Bruno Stelter

Bruno Stelter gehörte zu den frühen Bewohnern und Mitarbeitern des Monte Verità. Ida Hofmann bezeichnet ihn in ihrer Schrift Monte Verità. Wahrheit ohne Dichtung zählt ihn zur Gruppe der "ehrlichen Idealisten (kurzsichtige Kritik nennt sie 'Schwärmer'), deren Wunsch und Wille der Zeit und den Möglichkeiten, an die wir gebunden, vorauseilen und welche dann enttäuuscht innehalten müssen":

Einer von ihnen, Bruno Stelters [sic!], zog im Sommer 1902, wie schon erwähnt, voll Illusionen mit Frau und Kindern nach der Insel Samoa - nach kaum Jahresfrist sehen wir ihn wieder - er sucht bei uns Beschäftigung für Tagelohn und kauft schliesslich mit dem Rest seiner Habe in Orselina oberhalb Locarno ein Grundstück, eröffnet einen kleinen Brothandel und schwwärmt, idealisiert weiter.

Seit 1926 war Bruno Stelter Besitzer der Pension Stelter-Wagner, die zuvor Enrico Wagner gehörte.

Bruno Stelter starb am 1. August 1939 im Alter von 69 Jahren.

Santuario Elisarion

Dass sich Fidus im Tessin aufgehalten hat, ist zudem durch einen undatierten Brief von Heinrich Hotz, Präsidente des Naturheilvereins Zürich, an Fidus belegt. In diesem wünscht er Fidus "sehr angenehme Ferientage in unserem schönen Schweizer-Süden".

Vorstellbar ist, dass Fidus damals das Santuario Elisarion in Minusio besuchte. Jedenfalls wird Fidus in der Ausgabe 1927-1937 der Broschüre des Santuario zitiert: "Schon das erste Schauen hier hat mich frohgemacht." Die Kunsthistorikerin Antje von Graevenitz bemerkt in einer Fussnote zu ihrem Beitrag "Hütten und Tempel: Zur Mission der Selbstbestimmung" für das Katalogbuch der Szeemann-Ausstellung "Monte Verità. Berg der Wahrheit", dass Fidus zusammen mit seiner Frau Elsbet und Gertrud Prellwitz Anfang der 1930er Jahre das Santuario d'Arte Elisarion von Elisàr von Kupffer in Minusio bei Locarno besucht habe, wie Einträge ins Gästebuch belegen würden. Da dass betreffende Gästebuch verschwunden ist, kann der Eintrag nicht überprüft werden.

  1. Brief vom 16. Februar 1933 in der Berlininischen Galerie.
  2. Berlininischen Galerie AR/FA 1829-10.
  3. Ida Hofmann, Monte Verità. Wahrheit ohne Dichtung, Lorch 1906, S. 61.Monte Verità. Wahrheit ohne Dichtung.
  4. Schweizerisches Handelsamtsblatt, 44. Jahrg., 6. Dezember 1926, Nr. 285, S. 2124. Online: Schweizerisches Handelsamtsblatt.
  5. Todesanzeige in Gazzetta Ticinese, 139. Jahrg., 3. August 1939, Nr. 177. Vgl. auch Schweizerisches Handelsamtsblatt, 8. Januar 1943, 61. Jahrg., Nr. 5, S. 69, Schweizerisches Handelsamtsblatt).

Letzte Änderung: 30. Mai 2018.